Was dahinter steckt ist eine Logik, die erkennen lässt, dass der VRR seine Kunden offenbar für genauso intelligent hält wie ein großer Elektronik-Einzelhändler, der behauptet, seine Kunden seien "doch nicht blöd".
Über den einen ist genug gesagt worden, die Sache mit dem VRR und den Zusatztickets wollen wir uns mal genauer ansehen und uns dabei auf den Preis für einzelne Zusatztickets beschränken, da sie genau ein Viertel des Vierer-Zusatztickets kosten.
Sehen wir uns zunächst einmal an, was im Januar passiert ist:
Bis 2011 gab es zwei Verkehrsverbünde. Den VRR und sein niederrheinisches Gegenstück, die VGN. Diese beiden Tarifräume wurden nun zusammengeführt (aber auch wiederum nicht so richtig) und es wurde eine Preisstufe E erfunden.
Abb. 1: Neuer Verbundraum VRR
Es gibt jetzt also einen VRR Nord, der irgendwo bis weit ins Niederrheinische reicht, aber noch Teile des ehemaligen VRR im Norden umfasst (etwa bis Duisburg Oberhausen Krefeld) und einen VRR Süd, der dem ehemaligen VRR entspricht.
Die Zusatztickets 2 gelten nun für den gesamten Tarifraum, müssen aber
- von Inhabern mit Ticket 2000 der Preisstufen B oder höher immer hinzugekauft werden, wenn der eigene Geltungsbereich werktags vor 19 Uhr verlassen wird
- von Eingeborenen des jeweils anderen (Nord/Süd) Tarifraums mit Ticket 2000 immer (also auch am Wochenende) hinzugekauft werden, um den gesamten Tarifraum bereisen zu dürfen
- für die Mitnahme von Fahrrädern außerhalb des Geltungsbereichs eines Ticket 2000 hinzugelöst werden
- für die Benutzung der ersten Klasse immer hinzugekauft werden
So weit, so schlecht. Das Zusatzticket 1 gilt nur für Inhaber eines Ticket 2000 der Preisstufe A für eine Reise in die Nachbarstadt und ist damit in der Praxis für die meisten Kunden mit Zeitkarten etwa so untauglich wie das so genannte "Sozialticket". Der einzige Zweck des Zusatzticket 1 dürfte es sein, ein optisch gegenüber dem alten Zusatzticket hauchdünn billigeres Ticket im Programm zu haben. Man kann das vielleicht am besten vergleichen mit Discos, die mindestens ein nichtalkoholisches Getränk am billigsten anbieten müssen und sich dazu die schäbigste stille Mineralwasserplörre aussuchen.
Kommen wir zu den wirklich praktischen Auswirkungen. Zunächst einmal kostete das Zusatztidcket (alt) bis 2011 € 2,60. Das neue Zusatzticket 2 (das bis auf einen Ausnahmefall jetzt immer zu lösen ist) kostet € 3,50.
Das bedeutet bei Zusatztickets eine Preissteigerung von über 33%, oder mehr als ein Drittel auf einen Schlag.
Und das bewirkt(einige Beispiele):
- wer als Inhaber eines Ticket 2000 B oder Höher auch nur in eine Nachbarstadt außerhalb seines Geltungsbereichs fahren will, zahlt nicht € 2,50 sonern, sozusagen als umgekehrter Treuebonus, auch € 3,50
- wer mit Zug und Fahrrad alltags aufs Land fährt, etwa um einen Freund zu besuchen, der einige Kilometer vom Bahnhof entfernt wohnt und zu dem keine vernünftige Busverbindung existiert zahlt € 3,50 (Geltungsraumerweiterung), 3,50 (Fahrradmitnahme) und das hin und Zurück. Also 14 Euro. Dafür kann man fast das Taxi benutzen. Aber als VRR Kunde schwimmt man ja im Geld. Vor Januar waren es noch € 10,40 für dieselbe Leistung.
- wenn man auf die erste Klasse ausweichen will, etwa, weil man in der Erkältungszeit im Zug die Ansteckungsgefahr mindern will oder muss. Bitteschön. 3,50 pro Strecke. Das sind in D-Mark sieben Mark um seinen Hintern auf etwas weniger verschmutzten Sitzen zu parken.
- wer dreimal im Monat weiter fahren muss, zahlt (statt wie bisher) € 15,60 satte € 21
Es gibt natürlich auch Vorteile. Das neue Zusatzticket gilt statt wie bisher 4 Stunden jetzt 5 Stunden, weil es ja für Preisstufe E gilt. Das lässt bei aufmerksamer Planung für längere Ausflüge etwas mehr zeitlichen Spielraum. In der Praxis dürften die Nachteile der massiven Preiserhöhung bei Zusatztickets von den Vorteilen allerdings nicht annähernd aufgewogen werden, so dass unter dem Strich nur eine massive Preiserhöhung übrigbleibt, die der VRR durch Verkomplizierung des Tarifsystems seinen Kunden gegenüber verschleiert.
