Monday, January 16, 2012

Bahn: Natürlich ist es kein Betrug.

Update: Das Gespräch mit dem Chef des Reisezentrums war erstaunlich konstruktiv und daher erfreulich. Allerdings musste ich ein zweites Mal nach Essen. Immerhin...


Seit dem 1.1.2012 gibt es im Verkehrsverbund Rhein Ruhr neue Tarife. Dazu zählt eine lässige Preiserhöhung der Tarife für Zusatztickets um 35% für eine erhebliche Anzahl von Zeitkarten-Inhabern.

Ich zog also zunächst einmal ein Vierer-Zusatzticket der Preisstufe 1 (dessen Preis mir bei € 9,60 vertrauter Vorkam als das horrend teurere 4er Zusatzticket der Stufe 2).

Als ich von einem Freund erfuhr, dass ich für dieselbe Leistung eigentlich die Preisstufe 2 für nunmehr statt bisher 10,40 für € 14,- benötige, tauschte ich das ungestempelte Ticket der Preisstufe 1 am Samstag,den 14.1.2012 im Reisezentrum der Bahn in Essen Hauptbahnhof um. Dachte ich jedenfalls. Ich zahlte den Differenzbetrag von €4,40 nach und erhielt mit dem Hinweis, man könne mir nur vier Einzelfahrten geben, gegen 17:10h dieses Ticket am Schalter 6.

Etwas unübersichtlicher Ausdruck des Zusatztickets

Da das Ticket einerseits nicht dem Layout normaler 4er Tickets der Bahn am Automaten entsprach, andererseits vier Streifen erkennbar waren, dachte ich mir nichts Böses bis...

...ich den Kontrolleur in einem Zug fragte, ob dieses Ticket für vier Fahrten gültig sei. Er verneinte zu meiner Überraschung.

Ich hatte wohl in dem Chaos des wild durcheinander gekritzelten Kopfausdrucks den Preis übersehen und war dumm genug, mich bei einer Drückerkolonne wie der Bahn auf die mündliche Auskunft einer Schaltermitarbeiterin zu verlassen.

Das Beste aber kommt noch:

Take 1: Reisezentrum Flughafenbahnof Düsseldorf

Der Mitarbeiter beschied mir, es sei ja klar ersichtlich, dass da 3,50 stehe. Ich fragte ihn, ob der ausgebende Mitarbeiter erkennbar sei. Nein, einen Zeitpunkt ermittele das System nicht, er sehe nur, dass vier Zusatztickets der Stufe 2 ausgedruckt worden seien. Auf meinen Hinweis, ich habe nur dieses eine Ticket erhalten, stellte er allerlei lustige Spekulationen darüber an, ich könne die anderen ja verloren haben. Sicher. Er wies mich darauf hin, in jedem Reisezentrum gebe es einen Empfangschef.

Take 2: Reisezentrum Hauptbahnhof Düsseldorf

Ich sprach den Empfangschef an, der soviel Vertrauen mit seiner Lesebrille verströmte wie zuletzt der Bankberater, bei dem ich mein Konto kündigte, als er mir mit den Worten "machen sie doch einfach mit" zum Einstieg in den damaligen "neuen Markt" riet. Ich legte ihm den Tatbestand dar, er meinte, ich müsse mich eben nach Essen an den dortigen "Empfangschef" wenden. Meine Frage nach der neutralen Schlichtungsstelle Nahverkehr beantwortete er habe "auch schon mal gehört, dass es sowas gibt". Das hämische Lächeln sprach Bände. Gesagt, getan. Essen.

Take 3: Reisezentrum Hauptbahnhof Essen

Der dortige Grüßaugust Empfangschef sagte mir, da stehe ja schon oben nicht 4 Fahrten Zusatzticket. Mein Einwand, ich sei kein Hellseher und könne daher schlecht erraten, was auf einem korrekten Ticket stehen müsste, verhallte ungehört. Tickets vom DB-Automaten haben übrigens eine Vorder- und Rückseite zu je zwei Feldern. Dies sei eben, so der "Empfangschef" ein "anderes Muster. Aha. Ebenso verhallte mein Einwand, ich wäre von einer Vier-Streifenkarte ausgegangen. Beides versank im Land des Lächelns und dem Hinweis, er sei nur ein kleines Licht. Der Dienstplan vom vergangenen Samstag? Nein, den habe er nicht mehr. Meine Bitte, den Chef zu sprechen, wies er barsch um 17:06 ab, mit dem Hinweis "haben Sie schon mal auf die Uhr geschaut?". Richtig, die Bahn spart ja nicht bei den Sesselsitzern, sondern an der Fahrgastsicherheit. Wie dumm von mir. Die gehen um 16:00 nach Hause, danach ist kein Verantwortlicher mehr zu sprechen. In diesem Punkt hat die Bahn wohl viel mit der kürzlich gesunkenen Costa Concordia gemein. Da waren auch keine Verantwortlichen mehr erreichbar.

Was übrigens tadellos gut funktioniert, ist die Kontrolle. In jeder (von vier benutzten) S-Bahnen heute freischaffend-nichtuniformierte Kontrolleure. Ich hätte nicht schlecht Lust, noch einmal Waldorf-Schüler zu werden. Und ich meine das ganz und gar nicht komisch. Ich formuliere nur auf der aus meiner Sicht strafrechtlich sicheren Seite.

Wie oft es im Reisezentrum Essen oder anderen Reisezentren zu bedauerlichen Missverständnissen wie diesen kommt, wer weiß das schon. Lohnend wäre die Sache für bestimmte Personen allemal.

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