Monday, February 13, 2012

Der VRR und die Sache mit den zwei Zusatztickets

Es dürfte nicht nur mir allein so gegangen sein: Als ich Anfang Januar ein neues Vierer-Zusatzticket am Automaten ziehen wollte, sah ich, dass es inzwischen zwei davon gibt. 1 und 2 eben.

Was dahinter steckt ist eine Logik, die erkennen lässt, dass der VRR seine Kunden offenbar für genauso intelligent hält wie ein großer Elektronik-Einzelhändler, der behauptet, seine Kunden seien "doch nicht blöd".

Über den einen ist genug gesagt worden, die Sache mit dem VRR und den Zusatztickets wollen wir uns mal genauer ansehen und uns dabei auf den Preis für einzelne Zusatztickets beschränken, da sie genau ein Viertel des Vierer-Zusatztickets kosten.

Sehen wir uns zunächst einmal an, was im Januar passiert ist:

Bis 2011 gab es zwei Verkehrsverbünde. Den VRR und sein niederrheinisches Gegenstück, die VGN. Diese beiden Tarifräume wurden nun zusammengeführt (aber auch wiederum nicht so richtig) und es wurde eine Preisstufe E erfunden.

Abb. 1: Neuer Verbundraum VRR

Es gibt jetzt also einen VRR Nord, der irgendwo bis weit ins Niederrheinische reicht, aber noch Teile des ehemaligen VRR im Norden umfasst (etwa bis Duisburg Oberhausen Krefeld) und einen VRR Süd, der dem ehemaligen VRR entspricht.

Die Zusatztickets 2 gelten nun für den gesamten Tarifraum, müssen aber

  • von Inhabern mit Ticket 2000 der Preisstufen B oder höher immer hinzugekauft werden, wenn der eigene Geltungsbereich werktags vor 19 Uhr verlassen wird
  • von Eingeborenen des jeweils anderen (Nord/Süd) Tarifraums mit Ticket 2000 immer (also auch am Wochenende) hinzugekauft werden, um den gesamten Tarifraum bereisen zu dürfen
  • für die Mitnahme von Fahrrädern außerhalb des Geltungsbereichs eines Ticket 2000 hinzugelöst werden
  • für die Benutzung der ersten Klasse immer hinzugekauft werden

So weit, so schlecht. Das Zusatzticket 1 gilt nur für Inhaber eines Ticket 2000 der Preisstufe A für eine Reise in die Nachbarstadt und ist damit in der Praxis für die meisten Kunden mit Zeitkarten etwa so untauglich wie das so genannte "Sozialticket". Der einzige Zweck des Zusatzticket 1 dürfte es sein, ein optisch gegenüber dem alten Zusatzticket hauchdünn billigeres Ticket im Programm zu haben. Man kann das vielleicht am besten vergleichen mit Discos, die mindestens ein nichtalkoholisches Getränk am billigsten anbieten müssen und sich dazu die schäbigste stille Mineralwasserplörre aussuchen.

Kommen wir zu den wirklich praktischen Auswirkungen. Zunächst einmal kostete das Zusatztidcket (alt) bis 2011 € 2,60. Das neue Zusatzticket 2 (das bis auf einen Ausnahmefall jetzt immer zu lösen ist) kostet € 3,50.

Das bedeutet bei Zusatztickets eine Preissteigerung von über 33%, oder mehr als ein Drittel auf einen Schlag.

Und das bewirkt(einige Beispiele):

  • wer als Inhaber eines Ticket 2000 B oder Höher auch nur in eine Nachbarstadt außerhalb seines Geltungsbereichs fahren will, zahlt nicht € 2,50 sonern, sozusagen als umgekehrter Treuebonus, auch € 3,50
  • wer mit Zug und Fahrrad alltags aufs Land fährt, etwa um einen Freund zu besuchen, der einige Kilometer vom Bahnhof entfernt wohnt und zu dem keine vernünftige Busverbindung existiert zahlt € 3,50 (Geltungsraumerweiterung), 3,50 (Fahrradmitnahme) und das hin und Zurück. Also 14 Euro. Dafür kann man fast das Taxi benutzen. Aber als VRR Kunde schwimmt man ja im Geld. Vor Januar waren es noch € 10,40 für dieselbe Leistung.

  • wenn man auf die erste Klasse ausweichen will, etwa, weil man in der Erkältungszeit im Zug die Ansteckungsgefahr mindern will oder muss. Bitteschön. 3,50 pro Strecke. Das sind in D-Mark sieben Mark um seinen Hintern auf etwas weniger verschmutzten Sitzen zu parken.

  • wer dreimal im Monat weiter fahren muss, zahlt (statt wie bisher) € 15,60 satte € 21


Es gibt natürlich auch Vorteile. Das neue Zusatzticket gilt statt wie bisher 4 Stunden jetzt 5 Stunden, weil es ja für Preisstufe E gilt. Das lässt bei aufmerksamer Planung für längere Ausflüge etwas mehr zeitlichen Spielraum. In der Praxis dürften die Nachteile der massiven Preiserhöhung bei Zusatztickets von den Vorteilen allerdings nicht annähernd aufgewogen werden, so dass unter dem Strich nur eine massive Preiserhöhung übrigbleibt, die der VRR durch Verkomplizierung des Tarifsystems seinen Kunden gegenüber verschleiert.

Thursday, January 19, 2012

What if Google Repaid the Recording Industry and Motion Picture Lobby in Kind?

The recording industry's and Hollywood's lobby seem to be gladly prepared to ruin the freedom of speech as a collateral damage to seeing their particular commercial interests through in a ruthless manner. What now, if Google was willing to pay back in kind, and accept a collateral damage just as painful for the lobby?


Wednesday, January 18, 2012

Strategien der Selbstverteidigung gegen die GEMA Kultur-Zensur

Zugegeben, die Methode Bloggi  ist etwas aufwändiger, aber es gibt Strategien der Selbstverteidigung gegen die GEMA Kulturzensur, an denen auch dieser Drecksladen kaum etwas drehen kann.


Monday, January 16, 2012

Bahn: Natürlich ist es kein Betrug.

Update: Das Gespräch mit dem Chef des Reisezentrums war erstaunlich konstruktiv und daher erfreulich. Allerdings musste ich ein zweites Mal nach Essen. Immerhin...


Seit dem 1.1.2012 gibt es im Verkehrsverbund Rhein Ruhr neue Tarife. Dazu zählt eine lässige Preiserhöhung der Tarife für Zusatztickets um 35% für eine erhebliche Anzahl von Zeitkarten-Inhabern.

Ich zog also zunächst einmal ein Vierer-Zusatzticket der Preisstufe 1 (dessen Preis mir bei € 9,60 vertrauter Vorkam als das horrend teurere 4er Zusatzticket der Stufe 2).

Als ich von einem Freund erfuhr, dass ich für dieselbe Leistung eigentlich die Preisstufe 2 für nunmehr statt bisher 10,40 für € 14,- benötige, tauschte ich das ungestempelte Ticket der Preisstufe 1 am Samstag,den 14.1.2012 im Reisezentrum der Bahn in Essen Hauptbahnhof um. Dachte ich jedenfalls. Ich zahlte den Differenzbetrag von €4,40 nach und erhielt mit dem Hinweis, man könne mir nur vier Einzelfahrten geben, gegen 17:10h dieses Ticket am Schalter 6.

Etwas unübersichtlicher Ausdruck des Zusatztickets

Da das Ticket einerseits nicht dem Layout normaler 4er Tickets der Bahn am Automaten entsprach, andererseits vier Streifen erkennbar waren, dachte ich mir nichts Böses bis...

...ich den Kontrolleur in einem Zug fragte, ob dieses Ticket für vier Fahrten gültig sei. Er verneinte zu meiner Überraschung.

Ich hatte wohl in dem Chaos des wild durcheinander gekritzelten Kopfausdrucks den Preis übersehen und war dumm genug, mich bei einer Drückerkolonne wie der Bahn auf die mündliche Auskunft einer Schaltermitarbeiterin zu verlassen.

Das Beste aber kommt noch:

Take 1: Reisezentrum Flughafenbahnof Düsseldorf

Der Mitarbeiter beschied mir, es sei ja klar ersichtlich, dass da 3,50 stehe. Ich fragte ihn, ob der ausgebende Mitarbeiter erkennbar sei. Nein, einen Zeitpunkt ermittele das System nicht, er sehe nur, dass vier Zusatztickets der Stufe 2 ausgedruckt worden seien. Auf meinen Hinweis, ich habe nur dieses eine Ticket erhalten, stellte er allerlei lustige Spekulationen darüber an, ich könne die anderen ja verloren haben. Sicher. Er wies mich darauf hin, in jedem Reisezentrum gebe es einen Empfangschef.

Take 2: Reisezentrum Hauptbahnhof Düsseldorf

Ich sprach den Empfangschef an, der soviel Vertrauen mit seiner Lesebrille verströmte wie zuletzt der Bankberater, bei dem ich mein Konto kündigte, als er mir mit den Worten "machen sie doch einfach mit" zum Einstieg in den damaligen "neuen Markt" riet. Ich legte ihm den Tatbestand dar, er meinte, ich müsse mich eben nach Essen an den dortigen "Empfangschef" wenden. Meine Frage nach der neutralen Schlichtungsstelle Nahverkehr beantwortete er habe "auch schon mal gehört, dass es sowas gibt". Das hämische Lächeln sprach Bände. Gesagt, getan. Essen.

Take 3: Reisezentrum Hauptbahnhof Essen

Der dortige Grüßaugust Empfangschef sagte mir, da stehe ja schon oben nicht 4 Fahrten Zusatzticket. Mein Einwand, ich sei kein Hellseher und könne daher schlecht erraten, was auf einem korrekten Ticket stehen müsste, verhallte ungehört. Tickets vom DB-Automaten haben übrigens eine Vorder- und Rückseite zu je zwei Feldern. Dies sei eben, so der "Empfangschef" ein "anderes Muster. Aha. Ebenso verhallte mein Einwand, ich wäre von einer Vier-Streifenkarte ausgegangen. Beides versank im Land des Lächelns und dem Hinweis, er sei nur ein kleines Licht. Der Dienstplan vom vergangenen Samstag? Nein, den habe er nicht mehr. Meine Bitte, den Chef zu sprechen, wies er barsch um 17:06 ab, mit dem Hinweis "haben Sie schon mal auf die Uhr geschaut?". Richtig, die Bahn spart ja nicht bei den Sesselsitzern, sondern an der Fahrgastsicherheit. Wie dumm von mir. Die gehen um 16:00 nach Hause, danach ist kein Verantwortlicher mehr zu sprechen. In diesem Punkt hat die Bahn wohl viel mit der kürzlich gesunkenen Costa Concordia gemein. Da waren auch keine Verantwortlichen mehr erreichbar.

Was übrigens tadellos gut funktioniert, ist die Kontrolle. In jeder (von vier benutzten) S-Bahnen heute freischaffend-nichtuniformierte Kontrolleure. Ich hätte nicht schlecht Lust, noch einmal Waldorf-Schüler zu werden. Und ich meine das ganz und gar nicht komisch. Ich formuliere nur auf der aus meiner Sicht strafrechtlich sicheren Seite.

Wie oft es im Reisezentrum Essen oder anderen Reisezentren zu bedauerlichen Missverständnissen wie diesen kommt, wer weiß das schon. Lohnend wäre die Sache für bestimmte Personen allemal.

Sunday, January 15, 2012

VRR: Umweltschutz geht anders

Wenn man vor dem 1.1.2012 als Inhaber einer Monatskarte einmal die erste Klasse der Bahn benutzen wollte oder im Verbundgebiet weiter fahren, kostete das 2,60. Seit dem 1.1.2012 sind es 3,50. Das entspricht einer satten Preissteigerung von um die 35% für Zusatztickets. Damit kommt fast schon wieder der eigene Wagen infrage. Fargastfreundlichkeit und Umweltschutz gehen definitiv anders.






Fuck You (10') by Cee Lo on Grooveshark

Thursday, January 12, 2012

Rettungsschirme

Heute ist es also wieder so weit. Spanien und Italien müssen Anleihen am Markt platzieren. Einige Gedanken.

Es ist also wieder so weit: Ganz Europa und die Welt starren auf die Anleihenmärkte um zu erfahren, welche Rendite Italien und Spanien ihren Anleihenkäufern bieten müssen, um sich die papiernen Brandsätze ins Depot zu legen. Die Aussichten, dass beide glimpflich davon kommen, sind gar nicht so schlecht - denn es gibt ja den ESFS, ESM, Rettungsschirm (oder wie immer das Teufelszeug heute gerade euphemisiert wird, damit sich die Bürger nicht so erschrecken).

Das unmittelbare Sentiment der Panik scheint auf dem Rückmarsch zu sein, der Euro eventuell als enbalsamiertes Schaustück im Ehrerbietungsmausoleum der zur Schau gestellten Friedens-Gänseblümchenphantasien sicher unter Glas. Zu enormen Kosten, versteht sich. Denn selbst, wenn momentan jubiliert wird, Deutschland etwa profitiere eher von der Krise und die Investoren würden noch Geld verschenken, um dem Land Geld leihen zu dürfen: merkwürdig wenig wurde in den Medien zur Marktbreite solcher Transaktionen gesagt. Es scheint mir auch nicht der Mühe wert zu sein.

Denn selbst, wenn man die oberflächlichen (weil imminenten) Symptome der aktuellen Eurokrise notdürftig wegschminkt, bleiben die Wahrheiten, die dieses Dilemma ausgelöst haben, weiterhin gültig.

Zum einen: Die Kohle, die teils durch großmannssüchtige Bauprojekte vor allem in den Mittelmeerländern vergraben wurde, teils in byzantinistische Beamtenapparate nach griechischem Vorbild gepumpt wurde, bleibt weg. Auf immer. Versenkt.



Busbahnhof an der Estacio Intermodal, Palma de Mallorca, werktags, ca 14:00 Uhr


Sodann: Jetzt frantisch zu sparen, ist ein nettes Placebo. Die Probleme der betroffenen Euro-Volkswirtschaften im Mittelmeer-Raum wird es eher noch verschärfen. Denn sowohl drastische Steuererhöhungen als auch Kürzungen im Bereich der Sozialleistungen wirken als Nachfragebremse und Rezessionsbeschleuniger. Rechnet man hinzu, dass keines der betroffenen Länder über eine durchgehend tragfähige industrielle Basis verfügt (Italien dürfte mit dem Norden gerade einmal kostenneutral die Korruption im mezzogiorno finanzieren können) steht fest, dass keiner der Kanditaten die verschleuderte Kohle aus der Zeit der zinsgünstigen Europarty jemals wieder wird einspielen können. Der Kaiserwetter-Trubel in den deutschen Medien über die Nullzinsen für deutsche Anleihen dürfte sich also spätestens dann in Katzenjammer verwandeln, wenn man am Euro festhält und die Mittel aus dem ESFS, ESM, Rettungsschirm (oder wie immer das Teufelszeug heute gerade euphemisiert wird, damit sich die Bürger nicht so erschrecken) tatsächlich abgerufen werden. Die Parfümwolke, es sei ja alles so kompliziert und der Friede in Europa sei ja so wichtig, wird dann wohl nicht mehr ausreichen, den Deutschen den Kopf zu vernebeln.

Schließlcih: Ich jedenfalls war bisher so naiv, das Bild des Rettungsschirms so zu verstehen, dass er die Folgen unfreundlichen Wetters für den Euro abwehren sollte. Die Märkte als Regen, der Schirm als Behütung. Ein geschickt eingetopftes Missverständnis. Es scheint nämlich eher so, als handele es sich bei diesen Schirmen um Fallschirme, die den Zeitpunkt des Enschlags und seine Wucht hinauszögern und mildern sollen. Man begibt sich also nicht unter den Rettungsschirm, sondern man hängt darunter. Unweigerlich von der Schwerkraft in eine Richtung gezogen: abwärts. Allerdings verlangsamt, in Zeitlupe.

Dieses Dauerwurschteln ist auf den zweiten Blick für viele eine gute Lösung:

  • Die Dummen laufen in die Geschäfte und verschleudern ihre Kohle im Kaufrausch. In der zutreffenden Annahme, es gäbe kein Morgen. Sie kurbeln dadurch aus ihrem Ersparten die Restkonjunktur ohne Zwangsenteignung ihrer Ersparnisse an.

  • Die Sicherheitsbedürftigen kaufen Immobilien und tragen ebenfalls zur Konjunktur bei, erfreuen sich aber anders als Auto- und Klamottenkäufer eines gewissen Werterhalts, setzten sich allerdings auch der Gefahr aus, durch verarmende Kommunen durch Grundsteuern in Geiselhaft genommen zu werden.

  • Ein geringerer Anteil der Sparer versucht, durch Portfolios mit breit gestreutem Risiko die Kaufkraft zu erhalten und eventuell eine magere Rendite zu erwirtschaften.


Damit ist unter den gegebenen Umständen eigentlich allen gedient. Auf dem Rücken der Dummen wird wie üblich die Krise ausgetragen. Die Sicherheitsbedürftigen erhalten wenigstens spieltheoretisch noch eine Faire Chance, den Vermögensverfall zu mildern und die "smart savers" erhalten etwas zeitlichen Puffer, ihr Glück in dem Ratespiel: Bau' dir ein krisensicheres Portfolio zu versuchen. Dabei sollten sie einige Bücher zur Hand nehmen und die Nachrichtensender immer dann abschalten, wenn ein "Zertifikate Spezial" läuft. Es dürfte genügen, wenn dieser Personenkreis sich vor dem abendlichen Zubettgehen dreimal laut Emittentenrisiko vorsagt.

Prosit also, und auf ein soft landing.

Friday, January 6, 2012

Wir haben fertig

Guttenberg, die FDP, Christian Wulff. Diesen drei auf den ersten Blick doch so unterschiedlichen Akteuren haben wir drei wichtige Erkenntnisse zu verdanken, die unser Denken für die nähere Zukunft nachhaltig beeinflussen könnten. Ein Podcast und der passende Soundtrack.



Deeper and Deeper by Madonna on Grooveshark