Heute entnehme ich einer Meldung der Neuen Zürcher Zeitung, dass die Schweizer Nationalbank den Kampf gegen die Stärke des Schweizer Franken aufnehmen will. Denn die Exportindustrie und der Tourismus beginnen in der Schweiz unter enormen Druck zu geraten.
Schweizer Produkte haben nun einen Qualitätsstandard gegenüber dem Rest der Welt, der die Überzeugung nährt, dass selbst bei einem starken Schweizer Franken die Nachfrage nach "Made in Switzerland" nur unterproportional abnehmen dürfte. Für den Tourismus sieht das anders aus. Teuer bleibt teuer und der Grenznutzen, in die Schweizer Berge statt nach Österreich zu fahren, macht es schwer, hier Einnahmen zu generieren.
Was bleibt ist der Eindruck, dass sich hier die Nationalbank eines kleinen Landes versucht, gegen eine Springflut der Angst vor allem der sprichwörtlichen deutschen Zahnärzte zu stemmen, gegen die kein Kraut gewachsen scheint. Mit katastrophalen deflationären Folgen für die Schweiz, denn auch Schweizer Anbieter, die für den Inlandsmarkt herstellen und vertreiben, sehen sich immer unter Zugzwang, ihre Preise zu senken um einem regelrechen Shopping-Exodus der Schweizer Verbraucher über die Landesgrenzen in die zweite Welt nach Deutschland entgegenzuwirken. So dürfte das Totalversagen der Eurozone und die massenhafte Panik-Flucht in den Franken auch unsere Nachbarn auf eine harte Probe stellen, denn die Chaostage von Brüssel können für Bern und seinen Arbeitsmarkt nicht ohne Folgen bleiben.
Letztlich ist die Schweiz mit der Nachfrage nach dem Fanken schon allein wegen der Größe der Volkswirtschaft überfordert und wird schrille Konsequenzen auf dem Binnenmarkt für Waren, Dienstleistungen und Arbeit zu spüren bekommen.
Licht am Ende des Tunnels könnte es für Schweizer Unternehmen geben, die liquide genug sind, in der EU auf Einkaufstour nach Unternehmen zu gehen und so der Franken-Stärke eine positive Seite abzugewinnen. Sie sollten sich dabei nicht von den neidgeifernden Kommentaren der deutschen Presse irritieren lassen. Auch Euroland vor allem aber seine Politiker müssen spüren, dass auf Dauer ein Luftschloss gegen die globalen Winde der Finanzmärkte nicht zu retten ist. Und für die Arbeitnehmer wäre vielleicht Hoffnung, dass mit Schweizer Eigentümern eine Arbeitgeberkultur einziehen könnte, die nicht auf Drittwelt-Mechanismen des Lohndumping und der einseitigen Ausbeutung setzt.
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