Jetzt scheint es, so höre ich, Probleme zwischen Bundestrainer Löw und dem Kapitän Philip Lahm zu geben, der sich gleichsam selbst die von Ballacks Blut befleckte Kapitänsbinde der Nationalmannschaft um den Arm gebunden hat. It was his for the taking.
Sportlich hat mich das nicht interessiert. Wie allerdings von Löw und den Medien mit Ballack verfahren wurde, das fand ich schon interessant. Erst ließ Löw Ballack am langen Arm gleichsam verhungern, dann wurde die causa Ballack für beendet erklärt, gerade so, als habe sich dieser ein schweres Verbrechen gegen die DFB-Elf zuschulden kommen lassen. Richtig ist, Ballack war wohl vom Verletzungspech verfolgt. Das aber kann jedem passieren - und hier sind wir bei des Pudels Kern: Nämlich, wie damit umgegangen wurde. Mach' es kurz: Alte und Kranke bleiben am Weg.
Dass man Lahm dann mit seiner Aktion durchkommen ließ und die Kapitänsbinde an den erstbesten verschleuderte, der nur unverfroren genug seinen Anpruch anmeldete, war mir damals schon ein wenig unheimlich. Es spiegelte nämlich in fast exemplarischer Weise wider, wie es auch in Deutschlands Büros zugeht: Chefs ohne jedes empathische Einfühlungsvermögen, die den hart-Erfolgsorientierten geben und gerade durch diese Unfähigkeit, gepaart mit Macho-Gehabe immer wieder in die Kloschüssel greifen. Genau das ist es jetzt, was Löw verdienterweise mit Lahm passiert. Das war absehbar und es ist (siehe unter "Dallas", oben) eine besonders im Schlaglicht stehende Episode, wie sie tausendfach auch für den Niedergang der Arbeitskultur in Deutschen Unternehmen verantwortlich ist.
Sozial akzeptiert und zum Scheitern verurteilt. Angst allein, Wettbewerb total, die Drohung mit jederzeitigem Absturz sind kurzfristig wirkende Motivatoren, die auf Dauer zur Abstumpfung führen. Dann gilt für die derart Misshandelten das Motto der Bremer Stadtmusikanten:
Etwas besseres als den Tod findest du überall
Das allerdings scheint nicht für die DFB Elf zu gelten. Denn über die Frage, ob der Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke nicht auch mit den rüden Führungsmethoden in der DFB-Elf zu tun hatte, ist man in einem Meer von Krokodilstränen seinerzeit galant hinweg gegangen.
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