Wednesday, August 31, 2011

Lahm, Löw und die Bremer Stadtmusikanten

Eigentlich, um es vorweg zu nehmen, interessiert mich Fußball überhaupt nicht. Wenn überhaupt, dann als so eine Art "Dallas" der Neuzeit, Skandale und Kabale inklusive. Kaum ein anderer Typus Mensch ist so exponiert wie Fußballer und alles, was sie umgibt.

Jetzt scheint es, so höre ich, Probleme zwischen Bundestrainer Löw und dem Kapitän Philip Lahm zu geben, der sich gleichsam selbst die von Ballacks Blut befleckte Kapitänsbinde der Nationalmannschaft um den Arm gebunden hat. It was his for the taking.

Sportlich hat mich das nicht interessiert. Wie allerdings von Löw und den Medien mit Ballack verfahren wurde, das fand ich schon interessant. Erst ließ Löw Ballack am langen Arm gleichsam verhungern, dann wurde die causa Ballack für beendet erklärt, gerade so, als habe sich dieser ein schweres Verbrechen gegen die DFB-Elf zuschulden kommen lassen. Richtig ist, Ballack war wohl vom Verletzungspech verfolgt. Das aber kann jedem passieren - und hier sind wir bei des Pudels Kern: Nämlich, wie damit umgegangen wurde. Mach' es kurz: Alte und Kranke bleiben am Weg.

Dass man Lahm dann mit seiner Aktion durchkommen ließ und die Kapitänsbinde an den erstbesten verschleuderte, der nur unverfroren genug seinen Anpruch anmeldete, war mir damals schon ein wenig unheimlich. Es spiegelte nämlich in fast exemplarischer Weise wider, wie es auch in Deutschlands Büros zugeht: Chefs ohne jedes empathische Einfühlungsvermögen, die den hart-Erfolgsorientierten geben und gerade durch diese Unfähigkeit, gepaart mit Macho-Gehabe immer wieder in die Kloschüssel greifen. Genau das ist es jetzt, was Löw verdienterweise mit Lahm passiert. Das war absehbar und es ist (siehe unter "Dallas", oben) eine besonders im Schlaglicht stehende Episode, wie sie tausendfach auch für den Niedergang der Arbeitskultur in Deutschen Unternehmen verantwortlich ist.

Sozial akzeptiert und zum Scheitern verurteilt. Angst allein, Wettbewerb total, die Drohung mit jederzeitigem Absturz sind kurzfristig wirkende Motivatoren, die auf Dauer zur Abstumpfung führen. Dann gilt für die derart Misshandelten das Motto der Bremer Stadtmusikanten:

Etwas besseres als den Tod findest du überall

Das allerdings scheint nicht für die DFB Elf zu gelten. Denn über die Frage, ob der Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke nicht auch mit den rüden Führungsmethoden in der DFB-Elf zu tun hatte, ist man in einem Meer von Krokodilstränen seinerzeit galant hinweg gegangen.

Wednesday, August 3, 2011

Wie die verfehlte Politik der EU nun auch die Schweiz mit sich den Abgrund reißt

Heute entnehme ich einer Meldung der Neuen Zürcher Zeitung, dass die Schweizer Nationalbank den Kampf gegen die Stärke des Schweizer Franken aufnehmen will. Denn die Exportindustrie und der Tourismus beginnen in der Schweiz unter enormen Druck zu geraten.

Schweizer Produkte haben nun einen Qualitätsstandard gegenüber dem Rest der Welt, der die Überzeugung nährt, dass selbst bei einem starken Schweizer Franken die Nachfrage nach "Made in Switzerland" nur unterproportional abnehmen dürfte. Für den Tourismus sieht das anders aus. Teuer bleibt teuer und der Grenznutzen, in die Schweizer Berge statt nach Österreich zu fahren, macht es schwer, hier Einnahmen zu generieren.

Was bleibt ist der Eindruck, dass sich hier die Nationalbank eines kleinen Landes versucht, gegen eine Springflut der Angst vor allem der sprichwörtlichen deutschen Zahnärzte zu stemmen, gegen die kein Kraut gewachsen scheint. Mit katastrophalen deflationären Folgen für die Schweiz, denn auch Schweizer Anbieter, die für den Inlandsmarkt herstellen und vertreiben, sehen sich immer unter Zugzwang, ihre Preise zu senken um einem regelrechen Shopping-Exodus der Schweizer Verbraucher über die Landesgrenzen in die zweite Welt nach Deutschland entgegenzuwirken. So dürfte das Totalversagen der Eurozone und die massenhafte Panik-Flucht in den Franken auch unsere Nachbarn auf eine harte Probe stellen, denn die Chaostage von Brüssel können für Bern und seinen Arbeitsmarkt nicht ohne Folgen bleiben.

Letztlich ist die Schweiz mit der Nachfrage nach dem Fanken schon allein wegen der Größe der Volkswirtschaft überfordert und wird schrille Konsequenzen auf dem Binnenmarkt für Waren, Dienstleistungen und Arbeit zu spüren bekommen.

Licht am Ende des Tunnels könnte es für Schweizer Unternehmen geben, die liquide genug sind, in der EU auf Einkaufstour nach Unternehmen zu gehen und so der Franken-Stärke eine positive Seite abzugewinnen. Sie sollten sich dabei nicht von den neidgeifernden Kommentaren der deutschen Presse irritieren lassen. Auch Euroland vor allem aber seine Politiker müssen spüren, dass auf Dauer ein Luftschloss gegen die globalen Winde der Finanzmärkte nicht zu retten ist. Und für die Arbeitnehmer wäre vielleicht Hoffnung, dass mit Schweizer Eigentümern eine Arbeitgeberkultur einziehen könnte, die nicht auf Drittwelt-Mechanismen des Lohndumping und der einseitigen Ausbeutung setzt.